Haus der Wissenschaft älter als vermutetP R E S S E M I T T E I L U N G
Dachstuhl-Analysen und Archivunterlagen bringen neue Erkenntnisse
Ende des Monats wird das Haus der Wissenschaft mit einem Festakt (30.9.) und einem anschließenden Tag der offenen Tür (1.10.) eröffnet. Im Rahmen der Sanierungs- und Umbauarbeiten wurden jetzt Holzproben aus dem Dachstuhl auf ihr Alter untersucht. Sie bestätigen frühere Untersuchungen und zeigen, dass die Ursprünge des Hauses mit Sicherheit in das 15. Jahrhundert zurückreichen.
Bis zur Eröffnung am 30. September bleibt noch viel zu tun. Derzeit richten die drei Mitarbeiter das Haus ein, bereiten Angebote für die künftigen Besucher sowie die Eröffnungausstellung vor. In dieses geschäftige Treiben platzte jetzt die Nachricht eines Kieler Labors hinein. Es hatte eine Holzprobe aus dem Dachstuhl des Gebäudekomplexes in der Sandstraße auf sein Alter untersucht.
Demnach wurden die Eichen, aus denen die Zimmerer später den Dachstuhl errichteten, bereits um 1434 gefällt. ?Wir wissen zwar nicht, wie lange das Holz bis zum Einbau lagerte?, sagt Prof. Gerold Wefer, Vorstandsvorsitzender des Hauses der Wissenschaft e.V.,?die jetzigen Befunde bestätigen aber die Ergebnisse einer früheren Holzuntersuchung.? Diese hatte ergeben, dass die Dachstuhl-Eichen um 1495 gefällt worden waren.
Untersucht wurde jetzt eine Probe, die aus einem etwa 25 Zentimeter langen Holznagel stammt, mit denen die Zimmerer einst das Dachgebälk fixierten. Das Alter dieser Probe wurde mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode ermittelt, die auch als "radioaktive Uhr" bekannt ist und auf den radioaktiven Zerfall von Kohlenstoffisotopen beruht. Zuvor war ein Dachbalken nach der Methode der Dendrochronologie unter die Lupe genommen worden. Dabei werden u.a. die im Holz sichtbaren Jahresringe ausgezählt, die durch das jahreszeitlich bedingte Dickenwachstum der Bäume entstehen. "Zwei Methoden und zwei Ergebnisse, die sehr gut zusammen passsen", freut sich Prof. Wefer. "Damit steht fest, dass die Geschichte des Hauses der Wissenschaft bis in das 15. Jahrhundert zurückreicht."
Maike Grimbo, eine der zukünftigen Mitarbeiterinnen des Hauses, hat die Geschichte des Gebäudekomplexes an Hand von Archivunterlagen im Detail nachgezeichnet. "Vor den Holzanalysen war das Schicksal der Häuser Sandstraße 4, 4a und 5, die zukünftig das Haus der Wissenschaft beherbergen, nur bis 1750 bekannt", sagt die Kulturwissenschaftlerin.
Nach den Archivstudien ist klar: Die Häuser auf der Bremer Düne im Schatten des Doms beherbergten in den 1670er Jahren eine Klippschule, also eine behördlich nicht anerkannte, "niedere" Schule. 1853 zieht der Arbeiterbildungsverein "Vorwärts", dem das Haus seinen Namen verdankt, in die Sandstraße 5 ein. Damals florierte die bremische Tabakindustrie, doch die zumeist aus unteren Schichten stammenden Arbeiter wurden vom Bürgertum als "ziemlich entsittlichtes und entnervtes Proletariat" wahrgenommen. Ein Redakteur der Bremer Zeitung hatte deshalb angeregt, den vielen bremischischen Tabakarbeitern bessere Bildungs- und Freizeitangebote zu machen.
Mit seinen Informations- und Bildungsangeboten steht das zukünftige Haus der Wissenschaft also in einer mehr als 300-jährigen Tradition. "Wir sind uns der Geschichte des Hauses bewußt", sagt Gerold Wefer. "Aber eins ist sicher: die Angebote, mit denen wir ab 1. Oktober aufwarten, sind bestimmt nicht von gestern."
Weitere Informationen über das Haus der Wissenschaft finden Sie hier
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Weitere Informationen zur Geschichte des Hauses der Wissenschaft: http://www.stadtderwissenschaft-2005.de/ Haus_der_Wissenschaft.html
Hinweis für Fotografen: Fototermine mit Gerold Wefer und Maike Grimbo im Haus der Wissenschaft (historischer Dachstuhl/Holznagel) können vereinbart werden.
Interviewanfragen/Bildmaterial: Cornelia Reichert Öffentlichkeitsarbeit DFG Forschungszentrum Ozeanränder Tel. 0421 218-65531 mail:  www.ozeanraender.de
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