Wort der Woche

|< Startseite | Projekte | * Forschung für die Bürger | * Bremen | * Wetenschaften op Platt | Wort der Woche

Das Wort der Woche

tschüß

In Hamburg sagt man tschüß! behauptet Heidi Kabel volkstümlich singend, aber sie weiß natürlich, dass dieser Abschiedsgruß im ganzen Norden sowie in Teilen Mitteldeutschland gebraucht wird. Verblüffend ist vor allem die Vielzahl von Lautungen und Schreibungen. Die Skala reicht von adjüs über tschüüst bis schüss. Vor allem das lange ü in der Mitte gibt dem Wort seinen charakteristischen Klang, der äußerst melodiös in die Länge gezogen werden kann: tschüü-hüüß.

Dass tschüß aus dem lateinischen ad deum herzuleiten ist, mit dem jemand der Fürsorge durch Gott anempfohlen wird und das sich im französischen adieu wiederfindet, ist nachvollziehbar. Deutsche Spielformen dazu sind ade und tschö. Um 1600 fand adieu Eingang in die hochdeutsche Sprache. Wobei auffällig ist, dass das plattdeutsche tschüß am Wortende ein -s aufweist, und es somit kaum direkt aus dem Französischen übernommen worden sein kann. Anzunehmen ist vielmehr, dass tschüß über das Wallonische oder über spanische Seefahrer zu uns gefunden hat: auch adiós verfügt schließlich über dieses auslautende -s.

Übrigens: Der Duden diktiert uns tschüs, obwohl die meisten Norddeutschen eine Schreibung mit ß am Wortende bevorzugen. Aber zum Glück gibt es für Platt keine verbindliche Rechtschreibung, so dass wir gern beim tschüß bleiben können.




Druckversion