Paula wurde geröngtPressinformation des Paula Modersohn-Becker Museums Bremen, 27. Mai 2005
Das Rätsel um Paula Modersohn-Beckers "Selbstbildnis am sechsten Hochzeitstag" ist gelüftet: Das Bild wurde heute in einer chirurgischen Praxis geröntgt.
Dabei hat sich herausgestellt, daß keine übermalten Motive unter den sichtbaren Farbschichten verborgen sind. Auf dem 1 Meter mal 70 cm großen Gemälde ist die Künstlerin nur mit einem Tuch um die Hüften bekleidet zu sehen, es ist der erste weibliche Selbstakt der Kunstgeschichte. Die Arme und Hände der Künstlerin umrahmen den Bauch wie eine Kugel und rücken ihn in den Mittelpunkt des Bildes. Der Farbauftrag ist hier dicker als auf dem Rest des Bildes und auch die Pinselstriche sind deutlich länger an dieser Stelle. Da auf vielen anderen Porträts Paula Modersohn-Beckers die Dargestellten in ihren Fingern Blüten- oder Pflanzenteile halten, lag die Überlegung nahe, anzunehmen, die Künstlerin hätte auf diesem Bild ebenfalls ein solches Motiv gemalt, es jedoch später mit einer neuen Farbschicht verdeckt. Diese Vermutung konnte durch das Röntgen nicht bestätigt werden und so steht nun zweifelsfrei fest, daß das zentrale Bildmotiv dieses Hauptwerkes der Künstlerin die Fruchtbarkeit ist, die sie durch den besonderen Farbauftrag hervorheben und fokussieren wollte - Fruchtbarkeit durchaus in der doppelten Bedeutung von der Gebärfähigkeit der Frau und der Schöpfungskraft der Künstlerin.
Das "Selbstbildnis am sechsten Hochzeitstag" zählt zu den bedeutendsten Selbstprotraits des 20. Jahrhunderts. Obwohl die Kunstsammlung enBöttcherstraße bisher alle Leihanfragen zu diesem Bild ablehnten, wird es ab Juni 2006 zu den Höhepunkten der Ausstellung "The Myth of the Artist" in der Antional Gallery London gehören.
Weitere Informationen zu dem Bild und dem Projekt finden Sie hier
| Kunstsammlungen Böttcherstraße Bremen/ Paula Modersohn-Becker Museum
Böttcherstraße 6-10 28195 Bremen
www.pmbm.de
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